30
Sep 08

Martin Reichert “Wenn ich mal groß bin”

oder “Das Lebensabschnittsbuch für die Generation Umhängetasche”.

Oh man, wenn einen mal eine Erkältung bei den  Temperaturen [es war Sommer, August, als ich dies schrieb] erwischt. Das ist nicht lustig! Aber seit etwas mehr als einer Woche habe ich heute Abend zum ersten mal wieder das Gefühl, mehr als zwei zusammenhängende Sätze (oder Zeilen Code) am Computer zusammenschreiben zu können.

Glücklicherweise hatte ich vor ein paar Tagen, als ich nachts partout nicht schlafen konnte und “Wenn ich mal groß bin” gerade fertig gelesen hatte einen großen “Mein Kopf schreibt Artikel”-Flash. Und weil ich schon so häufig gelesen habe, dass, wenn der Kopf arbeitet und einen nicht schlafen lässt, man die Gedanken aufschreiben soll, habe ich dies sogar getan und somit nicht alles vergessen, was mir zu diesem doch sehr diskussionsanregenden Buch durch den Kopf ging.

snip —

Lieber Leser, das was du bis hierhin gelesen hast, ist nun schon wieder ein paar Wochen alt, besser gesagt etwa einen Monat. Durch ein kleines Missgeschick ist eine Rohversion des Eintrages auch schon mal in meinem Newsfeed gelandet, hier und heute gibt es jedoch endlich das überarbeitete, ausformulierte Geschreibsel. ^-~

— snip —

Gerade höre ich in einem meiner Lieblingspodcasts, SWR2 Leben, einen Bericht jenem Buch und dem darin behandelten Thema des Nicht-Erwachsenwerdens. Inspiriert dadurch und ein wenig am schlechten Gewissen gekitzelt möchte ich den angefangenen Artikel nun endlich zu Ende zu führen.

Es gibt sehr vieles, was mir damals, nach der Lektüre von „Wenn ich mal groß bin: Das Lebensabschnittsbuch für die Generation Umhängetasche“ von Martin Reichert durch den Kopf gegangen ist. Aufwühlendes, Philosophisches, Neugieriges, Euphorisches, Zerknirschendes und sehr viel Inspiration!

Allem voran stellte sich bei mir schon während des Lesens die Erleichterung ein, endlich mal etwas gelesen zu haben, was dem allgegenwärtigen Jugendwahn entgegen tritt und – zumindest im Kontext meines Lebens – mir ein wenig die Bestätigung gibt, dass definitiv nichts Falsches daran ist „erwachsen zu sein„.  Besser gesagt, dass es eine Bereicherung ist und man sich nicht mehr verstecken muss, hinter der Jugend, der Unsicherheit die sie mit sich bringt und all den Fassaden, um dazu zu gehören.

Zwar gehöre ich nicht direkt in die von Reichert beschriebene Generation – obwohl ich wirklich an meiner Umhängetasche hänge ^_^“ – dennoch hält auch mir das Buch einen Spiegel vor und warnt mich quasi davor, nicht den Absprung zu verpassen. Der typische Anhänger der Generation Umhängetasche ist um die 30+, hat keinen wirklich festen Job,  lebt vom Heute ins Morgen und ist ständig bemüht, ‚hip‘ zu sein und bloß nicht erwachsen (=spießig) zu werden. Sein Leben ist überall und nirgendwo und alles andere als berechenbar, denn Möglichkeiten muss man sich ja offen halten.

Im Gegensatz zu dem Generationenbuch „iCool“ von Ric Graf ist Generation Umhängetasche gut strukturiert und bietet dem gewillten Leser nützliche Aspekte. Es ist im Stil eines Selbsthilfebuches aufgezogen. Eine Art Ratgeber, mit Hilfe dessen man in x Schritten den alten Balast loswerden und einen Weg in eine ‚unbeschwerte‘ Erwachsenenwelt einschlagen kann. In wie fern man Reicherts Buch als Ratgeber oder eher als Pop- bzw. Unterhaltungsliteratur sehen möchte, kann bestimmt hitzig diskutiert werden ^.~.

Ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass die Meinungen zu dem Buch sehr stark auseinander gehen. Kontroversen darüber, ob die Beschreibung der Generation so passt oder nicht kann man letztendlich bei dem Genre der Generationsbücher nicht vermeiden. Wie Martin Reichert selbst schön schreibt:

“ […] die jeweiligen Vertreter dieser vergleichweisen kleinen Gruppen [beschrieben Generationen] im späteren ‚erwachsenen‘ Leben eher über eine publizistische Stimme verfügen und somit den Diskurs bestimmen. […] “  1

Dagegen helfen dann Talkshows, YouTube, MySpace und nicht zuletzt Blogs. Im übrigen rechne ich es dem taz-Autoren sehr hoch an, dass er auf diesen Punkt eingeht und auch andere Generationenbücher nicht unberücksichtigt lässt. Hier lese ich nicht die Arroganz anderer, welche nicht an sich zweifeln sondern absolute Wahrheit predigen, bzw. ihre Wahrheit als die absolute (Sicherlich ist dies nur ein Verkaufsrezept – eines, welches mir persönlich jedoch bitter aufstößt).

Nicht selten habe ich mich bei allen bisher gelesenen Generationsbüchern gefragt, in welcher Parallelwelt ich leben muss, dass ich ohne Drogen und wilde Sexorgien aufgewachsen bin und auch heute eher wenige Menschen kenne, zu deren Lebensstil diverse Aufputschmittel (abgesehen von Kaffee) und das ganze drum herum gehören. Und somit finde ich es gut, wenn ein Autor nicht von einem „ganzheitlichen Wir“ schreibt.

Was mir während des Lesens auffiel: Gerade wenn es darum geht, in welchen Hals man die Umhängetaschengeschichten bekommt, spielt die Intonation des inneren Lesers eine sehr große Rolle. Mein innerer Vorleser hat das gut gemacht, etwas bissig ohne das bereits oben erwähnten Zwinkern im Auge vermissen zu lassen. So dass es mir letztendlich viel Spaß gemacht hat, dies Buch zu lesen.

Einzig das vorletzte Kapitel fiel etwas aus der Rolle. Aber ich nehme an, dass ich hier einfach nicht genug Insiderkenntnisse habe, um den Witz zu verstehen. Leider war ich noch nie in Berlin und zu der Medienwelt gehöre ich auch nicht, und ein bisschen zu jung bin ich ebenfalls. Vielleicht muss ich das Kapitel irgendwann einfach noch mal durchlesen und sehen, ob ich es auf meine Welt übertragen kann. Auf meine Heimat, auf die Stadt, in der ich zur Schule ging, in der ich jung war und – ja.

Zu guter letzt, habe ich noch eine Kleinigkeit, welche mir positiv ins Auge gehüpft ist. Obwohl Sprache ja nicht unbedingt mein naturgegebenes Talent ist, gefällt es mir viel besser, in Büchern gut geschriebene Texte zu lesen. Solche, welche mich herausfordern, welche unsere vielfältige und ausdrucksstarke Sprache nutzen und nicht masakrieren. Und Dinge, wie Wörter, die ich bisher noch nie geschrieben gesehen habe – deutsche, für mich quasi ausgestorbene Wörter, machen einen Text für mich memorabler. Er wird dadurch zu etwas Besonderem. Und so mag es albern klingen, aber die Verwendung von „linnenen“ hat sich bei mir positiv ins Gedächtnis gebrannt und hinterlässt bei mir das Gefühl, dass der Autor die Wörter die er verwendete wohl gewählt hat. Es fühlt sich für mich in keinster Weise so dahingerotzt an, wie es – im Nachhinein betrachtet – bei „iCool“ der Fall war.

Fazit

Nun, warum fand ich das Buch jetzt gut? Weil es so angenehm war, etwas zu lesen, was mich inspiriert, erwachsen zu werden. Was mir auch ein wenig die kleinen Sünden aufgezeigt hat, Sentimentalitäten die längst überholt sind und die einem, wenn man mal ehrlich ist, weder Spaß machen noch irgendwelchen anderen Nutzen bringen. Häufig ist es sogar eher das Gegenteil – sie machen traurig. Außerdem bietet es eine phantastische  Diskussionsgrundlage, zum Philosophieren, zum Weiterdenken ^-^

Weiterlesen/-hören/-sehen

  1. Martin Reichert „Wenn ich mal groß bin“, S. 69 Z.6ff []

25
Jul 08

LibraryThing: Virtueller Bücherschrank

Wie sieht es meinem Bücherschrank aus? Zugegebenermaßen, in meinem Realen einigermaßen chaotisch. Da ich nur ein einziges Bücherregal besitze, versteckt sich gut die Hälfte meiner Bücher hinter seinesgleichen. Aber, dank dem seit August 2005 bestehenden LibraryThing (welches es inzwischen auch in einer deutschen Version gibt) habe ich eine recht gute Übersicht meiner Bücher in meinem virtuellen Bücherschrank.

Bild1: Virtueller Bücherschrank bei LibraryThing

Was mir wirklich gut gefällt, neben den üblichen Dingen einer sozialen Community, wie z.B. in den Buchsammlungen anderer Mitglieder zu stöbern und dort interessante Bücher zu finden oder aber Rezensionen schreiben und lesen, ist die Möglichkeit, einzugeben, wann man ein Buch gelesen hat, bzw. den aktuellen Lesestatus. Bisher hatte ich immer versucht, meine Lese-Liste doch recht umständlich mit Amazon, einem nicht ganz so schönen WP-Plugin oder einem selbstgebastelten Script zu beobachten, habe aber meistens irgendwann die Muße verloren. Mit LT ist dies wesentlich einfacher und auch noch schön präsentiert.

Verlieren kann man sich allerdings im LT Zeitgeist – verständlicherweise, gibt es doch abertausende von Büchern auf der Welt, über die man etwas sagen oder schreiben kann ^-^“. Überhaupt ist dies eine weitere Community in der man seeehr viel Zeit verbringen kann, wenn man das möchte. In den zwei Jahren, die ich dort nun angemeldet bin, hat sich sehr viel getan. Zwar gefällt mir das Aussehen immer noch nicht so richtig – eine Mischung aus Lachsfarben und Braun in Kombination mit Mint war noch nie so mein Fall – aber die Bedienfreundlichkeit, die Funktionen und die Internationalisierung hat sich sehr verbessert.

Alternativen zu LibraryThings

Der Vollständigkeit halber hier nur noch kurz ein paar Alternativen zu LT welche in eine ähnliche Richtung gehen:

  • LovelyBooks ist eine „deutsche Version“ – etwas moderner gestylt und flashiger aber in ähnliche Farbkombi. Gehört wie StudiVZ zur Verlangsgruppe Holtzbrinck.
  • Shelfari ist eine englische Büchercommunity. Ein bisschen mehr Web2.0 ein bisschen weniger Inhalt.
  • Für Shelfmates gilt wahrscheinlich ähnliches wie für Shelfari. Wirklich hineinsehen kann man allerdings nicht. Members only!
  • Readme.cc ist eine mehrsprachige Plattform, die ganz anders herüberkommt als die bisher genannten Webseiten. Hier gibt es keine Coverbilder – soweit ich das sehe – sondern Photos vom Leser mit dem entsprechenden Buch.
  • Reliwa ist hingegen etwas mehr als nur eine Lesergemeinschaft. Man kann dort in seine Bibliothek auch Musik und Filme hinzufügen
  • BookCrossing – wer kennt es nicht ^-^“. Nicht ganz das, was die anderen sind, geht es schließlich nicht wirklich um den eigenen Bücherschrank, dafür mit einem wesentlich größeren Unterhaltungsfaktor. Ist euch schon mal ein Buchcrossing-Buch über den Weg gelaufen? Free the books!

16
Jul 08

Margaret Atwood „Oryx und Crake“

Margaret Atwood
Orxy und Crake

Habe ich bereits erwähnt, dass ich Margaret Atwood wirklich gerne lese? Und diese Tatsache hat sich mit “Oryx und Crake” dem letzten Werk, welches ich von ihr gelesen habe, nicht verändert – eher im Gegenteil. Für mich ist schon irgendwie eine geniale Autorin.

“Oryx und Crake” ist ein typischer Dystopia-Roman. Wir befinden uns in einer Zukunft die so in etwa nach der Zukunft der Menschheit spielt. Aus der Sicht des Schneemensch (bzw. Jimmy), der als einziger – zumindest geht er davon aus – Überlebender unserer Rasse in einer Welt nach der großen Katastrophe lebt, geschildert. Nach und nach erfährt der Leser, was vor der Katastrophe passierte und wie die Welt danach aussieht.

In typischer Atwood-Manier weiß sie es auch in diesem Werk, verschiedene Handlungsstränge, oder in diesem Falle verschiedene Zeitschienen, Gegenwart und Vergangenheit geschickt zu verweben. So blieb ich beim Lesen, am Ende des Tages, nicht selten mit dem Gefühl zurück, schneller weiterlesen zu müssen ^-^“, damit ich endlich erfahre wie es weiter geht. Und für mich muss ein Buch  genauso sein!

Vom Gefühl während des Lesens erinnert mich “Oryx und Crake” ein wenig an “Die Zeitmaschine” von H.G. Wells (Lesebefehl ^.~) Nur dass mich Atwoods Buch dieses Mal sprachlich nicht 100%ig vom Hocker gerissen hat. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt oder ob “Oryx und Crake” tatsächlich sprachlich etwas schwächer ist als “Der Report der Magd” oder “Katzenauge”. Es ärgert mich ein bisschen, dass ich “Oryx und Crake” nicht im Katzenauge, gelesen habe. Ich denke, das wäre besser gewesen, auch um die wirkliche Sprache der Autorin kennen zu lernen. Daran war einzig und allein der Remitenden-Laden, Lit Media Buchdiscount, in Bonn Schuld. ^.~ Ach quatsch. Wer weiß, wie lange ich das Buch nicht gelesen hätte, wenn es mich dort nicht angelacht hätte.

Fazit

Wie dem auch sei, mein Fazit zu “Oryx und Crake”: Ein kurzweiliges und interessantes Buch welches auch zu netten Diskussionsrunden führen kann! Es ist zumindest für jeden, der auf Dystopia-Romane steht empfehlenswert. Auch für Leser von anderer philosophischer bzw. gesellschaftskritischer Fiktion, wobei, je nach Anspruch des Lesers, eventuell Enttäuschung aufkommen könnte, da es in diesem Bereich definitiv bessere und tiefgehendere Bücher gibt.


16
Mrz 08

Speed Reading – Schneller Lesen

Eine Sache, welche auf meiner To-Learn-Liste steht ist es, meine Lese-Geschwindigkeit zu erhöhen. Um dies zu erreichen, ist es für mich wichtig unter anderem folgende Dinge zu üben:

  • Subvocalizing reduzieren, d.h. den Text nicht im Kopf mitsprechen
  • Sprünge und doppeltes Lesen während des Lesens vermeiden
  • Schnell lesen üben, wobei es primär auf die Geschwindigkeit und nicht auf das Verstehen ankommt
  • Die Augen flüssig über den Text gleiten lassen und mehrere Wörter, vielleicht sogar Textpassagen auf einmal erfassen

Eine wichtige Voraussetzung, um wirklich schnell zu lesen ist bei mir definitiv Konzentration bzw. Fokussierung. Stille um mich herum und keine Ablenkungen wie z.B. Musik, oder noch schlimmer Fernseher oder Gespräche. Ich bin empfindlich, selbst das Rauschen meines Computers könnte mich schon ablenken.

Zusätzlich ist es für mich persönlich auch wichtig, eine gute Leseumgebung zu haben. Zum einen um Störungen vorzubeugen, zum anderen um mich wohl zufühlen. Und letztendlich hilft mir auch die Gewohnheit, schneller in einen Text zu finden.

Bei digitalen Texten, Weblog-Artikeln oder längeren Texten auf Webseiten, versuche ich es ähnlich zu halten: Ablenkungen so weit wie möglich eindämmen. Dies bedeutet:

  • Instant Messanger, E-Mail-Benachrichtigungen und andere Benachrichtigungstools aus
  • Browser oder Text im Vollbildschirm-Modus ansehen
  • Aufrecht und somit auch aufmerksam vor den Monitor setzen und mich nicht irgendwie davor hängen

Speed Reading Tools

Glücklicherweise gibt es auch Hilfen, digitale Texte schneller und unabgelenkter zu Lesen.

Screenshot Spreeder
Mit Spreeder schneller lesen

Eines der Online-Tools zum schnelleren Lesen von digitalen Texten ist Spreeder? Der betreffende Text muss in die Textbox hinein kopiert und anschließend nur noch der Startknopf betätigt werden. Schon geht es los. Textformat, -größe und natürlich auch die Geschwindigkeit sind einstellbar.

Andere Programme stehen zum Download bereit, wie z.B. der WordFlashReader [via Lifehacker].

Mehr Lektüre zum Thema

Wer mehr zum Thema Speed-Reading lesen möchte, kann für einen kurzen Überblick den Wikipedia-Artikel über das Schnelllesen besuchen. Und natürlich gibt es genügend Lifehack-Seiten, welche das Thema mehr oder weniger ausführlicher und persönlicher Note behandelt haben.

Ohne großes Auswahlverfahren bin ich damals, als ich mich anfing dafür zu interessieren, auf TurboRead Speed Reading als Leitfaden gelandet.

Schlussbermerkung

Am Ende sollte man jedoch nicht vergessen, dass es nicht nur auf das schnelle Lesen ankommt. Auf PickTheBrain gibt es dazu einen sehr interessanten Artikel über die Verbesserung des Leseverständnisses. Oder aber Scott H. Young mit „Beyond Speed – How to Read Smart

Und wenn ich zum x-ten Mal feststelle, dass ich an dem gleichen Absatz hänge, dann akzeptiere ich einfach, dass der Moment nicht der richtige Moment zum Lesen ist. Dann heißt es aufstehen, spazieren gehen, mein Zimmer aufräumen, Zeichnen, Japanisch lernen, einen Briefschreiben, trainieren oder was auch immer anderes machen – und es einfach eine Stunde später noch einmal versuchen ^.~


28
Jan 08

Informationsüberlauf durch Newsfeeds bekämpfen

Wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die sich in die Flut der Newsfeeds gestürzt und dadurch ab und zu mit horrenden Zahlen ungelesener Artikel zu kämpfen hat. Irgendwann dachte ich mir, „dieser Stress muss ja nicht sein“, so dass ich mir, inspiriert von dem ein oder anderen Lifehack-Blogpost über Einfachheit und Fokussierung, eine Routine – eigentlich sind es mehrere – zurecht bastelte, die den Stress minimieren sollte und dies glücklicherweise auch tat.

Bei all dem ist außerdem wichtig, dass ich ehrlich zu mir bin: Interessiert mich ein Eintrag wirklich, oder hetze ich nur einem falschen Ideal hinterher „Das könnte man Wissen wollen“?

Tägliche Routine:
Durchscannen der neuen Einträge, alles, was sich irgendwie interessant anhört erhält einen Stern, eine tiefer gehende Analyse bezüglich Nützlichkeit und das Lesen erfolgt später.

Wöchentliche Routine:
Wenn ich etwas Ruhe habe (samstags oder sonntags morgens) gehe ich die markierten Artikel noch einmal etwas sorgfältiger durch – jedoch: auch jetzt lese ich die Artikel (meistens) nicht. Manche Neuigkeiten stellen sich beim zweiten darauf-sehen als uninteressant heraus, also: Sternchen weg, Zeit gespart.

Anschließend nehme ich mir Zeit für die wirklich interessanten Artikel. Hierbei habe ich verschiedene Vorgehensweisen:

  • Lesen nach Themen: Habe ich beim vorhergehenden Scannen gesehen, dass es mehr als einen Artikel zu einem Thema gibt, lese ich diese in einem Bündel.
  • Abstracts: Artikel, die nicht vollständig sind, öffne ich in einem neuen Browserfenster (oder Tab) und entferne ihre Markierung. Die Tabs gehe ich einzeln durch und speichere die Artikel mit @read-Tag in meinen Bookmarks – wiederum zur späteren Bearbeitung.
  • Ansonsten lese ich nach Interesse. Manchmal hören sich Artikel gut an, passen aber nicht zur aktuellen Stimmung. Anstatt mich hindurch zu quälen und am Ende nichts von den vielleicht tollen Ideen mitzunehmen (passiert mir vor allem bei englischen Artikeln), bleibt die Markierung erhalten und der Text wird beim nächsten Durchgang gelesen – oder aber auch eliminiert, weil er bis dahin überholt oder uninteressant geworden ist.

Diese Routinen erspart mir sehr Zeit, Nerven und vor allem habe ich damit eine Möglichkeit gefunden, mich gegen das Gefühl des Informationsüberflusses zur Wehr zu setzen. Inzwischen schreckt es mich nicht mehr ab, wenn mein Newsreader mir mehrere hundert ungelesene Newsfeeds anzeigt, da ich weiß: Ich lese nur das, was mich wirklich interessiert – und zwar nicht jetzt, sonder am Wochenende, ungestört, wenn ich Zeit dazu habe.

Natürlich setzt dies voraus, dass ich mir dafür auch Zeit nehme und mich dann auch wirklich darauf konzentriere. Dies bedeutet: Vollbildmodus des Browsers (F11 – alternativ den Hintergrund mit JediConcentrate abblenden), keine ablenkenden Hintergrundgeräusche (Radio, TV) oder Bilder (TV), Instant Messanger, Skype, Email-Benachrichtigungs-Tools bleiben aus und die Tür verschlossen.

Bis es mir zur Gewohnheit wurde, erforderte es ein wenig Disziplin. Diese hat sich allerdings definitiv ausgezahlt. Ich bin entspannter und habe das Gefühl, aus dem Gelesenen etwas mitnehmen zu können: Inspiration, Motivation und natürlich auch Wissen – nicht zu vergessen ^.~ endlich wieder Spaß!