13
Jan 18

Aufmerksamkeitsökonomie

Manchmal gibt es seltsame Zufälle. So bin ich bei dem Aufholen der ungelesenen Beiträge von ResearchBuzz‘ Firehose just über Farah Mohammeds Artikel “ The Rise And Fall Of The Blog“ gestolpert. Dort wird Gina Bianchini, welche sich gegen den Start eines Blogs in 2017 ausspricht, wie folgt zitiert:

“2017 is a very different world than 2007. Today is noisier and people’s attention spans shorter than any other time in history…and things are only getting worse. Facebook counts a ‘view’ as 1.7 seconds and we have 84,600 of those in a day. Your new blog isn’t equipped to compete in this new attention-deficit-disorder Thunderdome.”

Sie spricht aus der Perspektive einer Unternehmerin deren Ziel am Ende Umsatz ist1. Die Empfehlung, die dann kommt ist wahrscheinlich der aktuelle Stand des Marketing-Einmaleins2: Fokussierung, Personalisierung und diverse Maßnahmen zur Steigerung des Nutzer-Engagements, Sie nennt es „Deep Interest Network3.

Manche4 dieser Punkte lösen bei mir Widerstreben aus. Schnell gedacht scheinen sie nicht vereinbar mit meinem idealistischen utopistischen Wunsch5, dass das Internet ein Werkzeug hätte sein können mit dem Wissen und Gemeinschaftssinn hätten verbreitet bzw. gestärkt werden können. Langsam gedacht ist die Problematik natürlich um Einiges komplexer.

Und dann gibt es natürlich auch noch die andere Perspektiven. Die (potentielle) Rolle von Blogs in der Wissenschaftskommunikation, insbesondere im fast schon fließenden Übergang zwischen Blog und wissenschaftlichem Journal. Oder dass es in Zeiten der Auswertung auch der letzten Datenfitzel durchaus gut sein kann, die Kontrolle zu behalten.


  1. Oder weniger polemisch ausgedrückt: aus der Sicht eines Menschens, der am Ende des Tages Geld für Essen und ein Dach über dem Kopf braucht und eben jenes mit Spaß und nicht mit „unschöner“ Arbeit verdienen möchte []
  2. Die letztendlich nur Monetarisieren, was einst als Geektum verschrien war []
  3. Ironischerweise verwendet Alibaba einen Algorithm um die vielfältigen Interessen von Menschen vorherzusagen und bennent das Ergebnis ebenso: „Deep Interest Network for Click-Through Rate Prediction„ []
  4. einige []
  5. Assoziation dazu: sehr lesenswerter Beitrag über Visions-/Utopienlosigkeit von Rüdiger Suchsland in Telepolis: „Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es nie gab„ []

12
Jan 18

Linkrot, rechtliche Unsicherheiten, Selbstzensur …

Drei der Dinge, die mich überlegen lassen, diesen Blog nach fast 15 Jahren einzustampfen oder zumindest inhaltlich stark zu reduzieren.

Lange war der Blog für mich ein Ort, an dem ich einst entdeckte, gelernte, produzierte Dinge wieder auffinden konnte. Als positiven Nebeneffekt konnte ich sie interessierten Dritten zur Verfügung stellte. Diese Rolle übernahmen nach und nach der RSS-Reader, Microblogging und Bookmarking-Varianten (von Pinboard.in über diverse Read-it-Later-Lösungen). Die Links alter Beiträge verfielen immer schneller und mit dem Alter und dem Wissen stieg mein Bewusstsein für die Gefahren, die das Veröffentlichen von Inhalten mit sich bringen können.

Für etwas, dass ich aus Spaß an der Freude und altruistischen Motiven selbst finanziert produziere, möchte ich weder in einen Shitstorm geraten noch vermeintlich wettbewerbsrechtliche Schäden verursachen und dafür haftbar gemacht werden. Und da die Prüfung auf potentielle Fallstricke einen großen Zeitaufwand darstellen kann, verflogen die immer weniger werdenden Momente der Blog-Motivation.

Ein vierter Punkt, der nicht minder wichtig ist: Die Frage, ob ich überhaupt etwas Neues, etwas Nützliches oder wenigstens halbwegs Interessantes zu sagen habe.

Auf so vielen Ebenen kämpfen Personen, Institutionen, Organisationen mit dem Gleichen und Selben und immer Extremeren um die Aufmerksamkeit des Konsumenten oder um die Anerkennung und die Bestätigung. Egal ob im Marketing des Konsumbereichs oder der Wissenschaft („Publish or Perish“). Ebenso wollte ich dem so verlockende (in Bezug auf das Belohnungssystem) doch auch problematischen Sog der Micro-Anerkennung und Zähler-Vergleiche entfliehen, die auf Dauer eher toxischen Wirkung auf mein generelles Wohlbefinden hatten.

Wo stehe ich nun?

Ich vermisse die positiven Effekte: die Schreibübung, das allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden Schreiben, den Austausch mit Interessierten, die Möglichkeit auf kommentierte Links zurückzugreifen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Zeit investieren möchte, die Inhalte (über 1000 veröffentlichte Beiträge) durchzuschauen und auf ihre Relevanz zu überprüfen. Vielleicht ist mein Blog auch einfach ein Relikt der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts, welcher den Weg so vieler seiner Zeitgenossen gehen muss. Das heutige Internet ist ein anderes als jenes, das ich erleben durfte. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich es jenseits von der Unterstützung mir wichtiger Projekte1 mit“prägen“ kann und will.


  1. unvollständige Liste []

06
Aug 14

Gelesenes – 6. August 2014

Und dann noch ein Tipp zu einer sehenswerten Reportage zum Thema Optimieren: „Ulrich protestiert: Selbstoptimierung“ – nachsehbar in der ZDF-Mediathek. Mindestens bis zum 9. August, vllt. auch länger?


11
Jul 14

Gelesenes – 10. Juli 2014

  • Netzpolitik.org :  „Liste indizierter Webseiten geleakt: Bundesprüfstelle bestätigt Netz-Sperren-Kritik wie Overblocking„, Andre Meister (8. Juli 2014)
    Dazugelernt: Einmal auf der Liste, 25 Jahre auf der Liste
  • Lib{Cache : „Wie einfach ist die Bibliothek?„, Timo Glaser (1. Juli 2014)
    Zum OCLC Report „At a Tipping Point: Education, Learning and Libraries„.
    Veränderte Lernbedingungen, Fokus vom Produkt auf die Bedürfnisse des Nutzers; Benutzbarkeit und was der Nutzer möchte heruntergebrochen in Fragen, die man sich als Bibliothek stellen könnte.
  • Lib{Cache : „Der Golem oder: Wie einfach ist die Bibliothek Teil 2„, Timo Glaser (7. Juli 2014)
    Bibliothek vs. Amazon mit Fokus auf einfache Nutzung. Man rate, wer „gewinnt“ – leider. Umso trauriger potentielle Konsequenzen, denn auch Amazon hat ein begrenztes Portfolio.
  • OpenSource.com : „An open-minded Internet safety curriculum„, Charlie Reisinger (8. Juli 2014)
    Welche Themen sollten auf dem Lernplan zum Thema „Internetsichereit“ nicht fehlen? Vorschläge, die imho gerne Gehör finden dürfen. Soziale, wirtschaftliche, politische Apsekte der Medien, des Internets – eine kritische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Ist und den möglichen Richtungen. Für die nächste Diskussion:

    • Technology origin, ownership, and rights
    •  Is your device open? Can it be legally modified? What is DRM?
    •  Who are the developers behind a given project? What are their motivations?
    •  What are open document formats? Can I read my files 20 years from now?
    •  What is a software license? Why does it matter?
    •  What is a technology patent? How do patents help or hinder innovation?
    •  Technology ethics and privacy
    •  Who is watching your online behaviors? What is the motivation for doing so? What do they gain? What do you lose?
    •  If a student researches a gender identity issue, a medical condition, or a controversial book, what becomes of that search history?
    •  How do social media sites manipulate behaviors? Where is the line between testing features and clinical research requiring consent?

    CC by-sa: http://opensource.com/education/14/7/internet-safety-classroom-education

  • Education Rethink : „Seven Ideas for Avoiding Blogging Burnout„, John Spencer (Juni 2014)
    Erinnert mich an Zeiten, in denen gefühlt <übertrieben>jeder dritte Blogbeitrag ums Wie-Bloggen ging.</übertrieben>. Mein Lieblingspunkt ist ja: „Ignore the metrics“ ;) und hinzufügen würde ich persönlich „Wenn ich nicht blogge, dann blogge ich eben nicht.“ – aber das kann ich mir wahrscheinlich auch nur im guten Gewissen leisten, dass ich primär für meine eigene Dokumentation blogge ;).
  • Wired : „How Working on Multiple Screens Can Actually Help You Focus„, Clive Thompson (7. Juli .2014)
    Mehrere Ebenen wie bei ausgebreiteten Blättern und wichtiger Punkt: bedachter Umgang mit den Geräten ist essentiell.
  • Wired : „Can This “Neuroscience Based” Music App Really Boost Your Brain Power By 400%?„, Christian Jarrett (7. Juli 2014)
    Der Artikel hing versehentlich am Vorhergendem an. Kritische Auseinandersetzung mit dem Thema gefällt mir. Eine App für all die diversene Gehirne ^-^“..
  • Aus Liebe zur Freiheit : „“Frauensachen” sind nicht unbedingt Frauensache – zum Streit um Brandeins„, Antje Schrupp (7. Juli 2014)
    Fehlendes Thema thematisiert. Lesenswerter Kommentar.
  • Wired : „The Next Big Programming Language You’ve Never Heard Of„, Cade Metz (7. Juli 2014)
    Über die Entstehung und die Ziele von D. Die Arbeit an einer Programmiersprache, die so mächtig und schnell wie C++ sein soll, aber benutzerfreundlicher. Spannender Artikel.
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11
Jun 14

Gelesenes – 11. Juni 2014

Leider die Nachricht über die DDoS-Attacken gegen Evernote und Feedly… ohne Feedly fühle ich mich ja ein bisschen … Informationslos ;). Gut, dass ich immer noch genug  zum Lesen gespeichert habe…