12
Jan 18

Linkrot, rechtliche Unsicherheiten, Selbstzensur …

Drei der Dinge, die mich überlegen lassen, diesen Blog nach fast 15 Jahren einzustampfen oder zumindest inhaltlich stark zu reduzieren.

Lange war der Blog für mich ein Ort, an dem ich einst entdeckte, gelernte, produzierte Dinge wieder auffinden konnte. Als positiven Nebeneffekt konnte ich sie interessierten Dritten zur Verfügung stellte. Diese Rolle übernahmen nach und nach der RSS-Reader, Microblogging und Bookmarking-Varianten (von Pinboard.in über diverse Read-it-Later-Lösungen). Die Links alter Beiträge verfielen immer schneller und mit dem Alter und dem Wissen stieg mein Bewusstsein für die Gefahren, die das Veröffentlichen von Inhalten mit sich bringen können.

Für etwas, dass ich aus Spaß an der Freude und altruistischen Motiven selbst finanziert produziere, möchte ich weder in einen Shitstorm geraten noch vermeintlich wettbewerbsrechtliche Schäden verursachen und dafür haftbar gemacht werden. Und da die Prüfung auf potentielle Fallstricke einen großen Zeitaufwand darstellen kann, verflogen die immer weniger werdenden Momente der Blog-Motivation.

Ein vierter Punkt, der nicht minder wichtig ist: Die Frage, ob ich überhaupt etwas Neues, etwas Nützliches oder wenigstens halbwegs Interessantes zu sagen habe.

Auf so vielen Ebenen kämpfen Personen, Institutionen, Organisationen mit dem Gleichen und Selben und immer Extremeren um die Aufmerksamkeit des Konsumenten oder um die Anerkennung und die Bestätigung. Egal ob im Marketing des Konsumbereichs oder der Wissenschaft („Publish or Perish“). Ebenso wollte ich dem so verlockende (in Bezug auf das Belohnungssystem) doch auch problematischen Sog der Micro-Anerkennung und Zähler-Vergleiche entfliehen, die auf Dauer eher toxischen Wirkung auf mein generelles Wohlbefinden hatten.

Wo stehe ich nun?

Ich vermisse die positiven Effekte: die Schreibübung, das allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden Schreiben, den Austausch mit Interessierten, die Möglichkeit auf kommentierte Links zurückzugreifen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Zeit investieren möchte, die Inhalte (über 1000 veröffentlichte Beiträge) durchzuschauen und auf ihre Relevanz zu überprüfen. Vielleicht ist mein Blog auch einfach ein Relikt der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts, welcher den Weg so vieler seiner Zeitgenossen gehen muss. Das heutige Internet ist ein anderes als jenes, das ich erleben durfte. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich es jenseits von der Unterstützung mir wichtiger Projekte1 mit“prägen“ kann und will.


  1. unvollständige Liste []

15
Apr 17

Die Mastodons erobern das Internet *toot.toot*

Zugegeben, ein etwas reißerischer Titel für ein Phänomen, welches tendenziell eher in der Nische zu beobachten ist. Ich bin jedoch sehr gespannt wohin die Reise der Mastodons geht und würde mich freuen, wenn aus dem Mini-Hype viele solide Communities erwachsen würden, die jenseits von Wachstums-Zwang und Kommerzialisierung einen sich gut anfühlenden Ort für den Austausch zwischen Gleichgesinnten bilden [via].

Was ist Mastodon?

Kurz zusammengefasst: Mastodon ist eine unter der GNU AGPL-Lizenz veröffentlichte Software, welche jedem Interessierten erlaubt ein twitter-ähnliches Microblogging-Netzwerk aufzubauen: seine eigene Mastodon-Instanz, mit eigenen Regeln.

Abb.1 an Tweetdeck erinnernde Ansicht der verschiedenen Timelines von Mastodon

Auf einer Instanz können sich – sofern diese Funktion nicht abgeschaltet oder beschränkt wurde – Nutzer einen Account erstellen. Sodann können Einträge („Toots“) bis zu 500 Zeichen verfasst und andere Nutzer verfolgt werden. Neben Hashtags, Bildanhängen, Mentions und private Nachrichten (Abb.1, grüner Pfeil), der eigenen Timeline („Home„) sowie einer Timeline aller auf der eigenen Instanz erfolgten öffentlichen Toots („Local Timeline„) und Notifications (wie bei Twitter) gibt es von Hause aus eine Funktion („CW„, Abb.1, roter Pfeil), mit der sensibler oder aus anderen Gründen versteckt werden sollender Inhalt ausgeblendet werden kann. Auch Bilder kann man mit der Eigenschaft „NSFW“ (Not Safe for Work) versehen, so dass sie nicht direkt angezeigt und mit einer Warnung versehen werden. Natürlich gibt es Emoticons (Abb.1, blauer Pfeil) und die Möglichkeit, Toots zu retooten („Boost„) oder mit einem Stern zu versehen – kein Herz *yay*.

Der größte Unterschied von Mastodon zu den aktuellen Netwerken ist natürlich die Dezentralität. Es existieren viele einzelne Instanzen mit z.T. unterschiedlichen Regeln. Die einzelnen Instanzen stehen jedoch nicht komplett isoliert nebeneinander, sonder es ist möglich, Nutzer von anderen Instanzen zu folgen. Außerdem gibt es eine Federated Timeline. In dieser werden alle der eigenen Instanz bekannten öffentlichen Toots angezeigt. Was heißt bekannt? Deine Instanz kennt alle Toots von Mastronauten anderer Instanzen, die von Mastronauten Deiner Instanz verfolgt werden.

In meinem Augen bietet Mastodon eine große Chance Orte zu schaffen, die für einen Neunutzer auf den ersten Blick einen erkennbaren Nutzwert ausstrahlen. Ich erinnere mich an Debatten darüber, dass Twitter für den unbedarften Nutzer unverständlich und verwirrend erscheinen konnte. Dass zwar ein Account angelegt, ein paar Informationsquellen gefolgt wurde, die dann nach kurzer Zeit brach liegen gelassen wurden, da sich ein Mehrwert nicht erschlossen hatte.

Bei einem Blick auf die inzwischen veraltete Mastodon-Instanz-Liste auf GitHub fiel mir z.b. ins Auge, dass für die Furry-Community überproportional viele Instanzen existierten. Bei der aktuellen Liste gibt es leider keine Beschreibung mehr auf der Übersichtszeite – es kitzelt mich ja ein bisschen in den Fingern dies auszuwerten.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, wie jene von John Henry, welcher Mastodon in seinem lesenswerten Beitrag als Totgeburt bewertet. Diese Bewertung ist selbstverständlich aus einer bestimmten Perspektive erfolgt. Die Kritikpunkte rund um die Macht des Instanzbetreibers, dass Instanzen andere Instanzen blockieren können und dass das was man in der Federated Timeline sieht sehr stark vom Betreiber der eigenen Instanz abhängt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Ich wittere hier eine Chance für die Entwicklung eines guten Miteinanders. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass bei den bestehenden Netzwerken der Zug für eine Bottom-Up-Entwicklung abgefahren ist. Und damit bleibt wahrscheinlich nur Überwachung und Zensur :-/. Sich basierend auf gemeinsamen Interessen entwickelnde Instanzen haben es da viel leichter einen gemeinsamen Konsenz zu finden. Verklärt utopistisch gesprochen könnte es leichter fallen, diesen gemeinsamen Konsenz tranparent zu kommunizieren und die eigene Instanz durch Microfunding (z.B. via Patreon: Gargron: mastrodon developer & mastodon.social, Valentin Ouvrard: mastodon.cloud) zu tragen. Dass diese Vorstellung eher naiv ist, ist mir bewusst. Hier möchte ich die Hoffnung einfach nicht aufgeben ;) und mir sind Foren-Communities (auch größere) bekannt, die von wertschätzendem Miteinander geprägt sind.

Also, go for it! Übrigens, es gibt bereits eine Bonner Instanz: bonn.social

 

 

 


30
Nov 14

Umgang mit toten Links

Seit Jahren zählt das WordPress-Plugin Broken Link Checker lustig hoch wie sich die von mir verlinkte Internetsphäre verändert. In 11 ½ Jahren sammelten sich bereits einige Links an, von denen viele sowohl nicht mehr vorhanden als auch thematisch obsolet sind.

Ob es der kleine Sammler in mir ist, oder das in meinem Studium inzwischen häufiger mit Zwinkern vorgetragene Leid der ULB Bonn, die Groschenromane von Bastei-Lübbe Verlags archivieren zu müssen: „Zur heutigen Zeit mag es vielleicht wissenschaftlich uninteressant erscheinen, für den ein oder anderen als wertlose Schundliteratur gelten – doch für zukünftige Wissenschaftler mag dies eine enorme Fundgrube sein…“, ganz entfernen möchte ich die Links oder gar die kompletten Einträge dann doch nicht.

2014-11-30
Blogvergangenheit über die Wayback Machine

Ein wundervolles Feature des Brocken Link Checkers, dass die Existenz einer archivierten Version im Internet Archive angezeigt wird, wenn man den Link bearbeitet. Die Ersetzung benötigt zwar weiterhin Denk- und Klickarbeit – nicht wenige URLs werden im Laufe der Zeit von dubiosen Linkfarmen übernommen – ermögtlich jedoch den Erhalt von Kontext.

Und nach all der Zeit in den Fundstücken von damals zu wühlen, kann durchaus alte Schmuckstücke erneut in den Fokus rücken oder einfach ein Schmunzeln auf die Wangen zaubern. So wie bei mir heute Betty Chus Angorahäschen, wenn das mal keine Real-Live Tribbles sind ;).

Unschöne tote Links sind jene, die es nichts in die Wayback-Maschine des Internet Archivs geschafft haben, z.B. die depublizierten Artikel deutscher öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Seiten zusätzlich mit Onlinedienste wie WebCite oder Archive.today zu verlinken, auf dass sie archiviert werden oder dieses beim Internet Archive anstoßen, ist nach deutschem Recht schätzungsweise ein riesiges No-Go. Schade…

Update 2014-12-01: Ganz spannend in diesem Kontext das kürzlich (25.11.2014) bei iRights.info erschienene Interview mit Rick Prelinger über das sein Filmarchiv und in diesem Kontext auftretende Probleme mit Urheberrecht und Lizenzen.


07
Apr 14

Feed-induzierte Verknüpfungen

Eigentlich schlafen wollen – und dann ist da dieses Buch auf dem Nachtisch – und es schreit „Lies weiter!“. Ganz vernünftig habe ich es liegen lassend und doch, die Gedanken verselbstständigten sich und woben Verbindungen. Hier eine Verknüpfung, dort eine Erinnerung an eine Diskussion, die nicht passender hätte sein können.

Der vergangene Grund des Weiterlesen-Wollens war M.T. Andersons „Feed„. Eine Satire, eine Dystopie, eine Liebesgeschichte, Coming-of-Age Story in einer Welt, in der es scheinbar nichts anderes gibt als Konsum… Sehr gut getroffen hat es auch ein Freund: Hat was von Idiocracy und so könnte man sich ein von dummschwätzenden Surferkids – „Dude!“ – genervter William Gibson unter Pseudonym veröffentlichtes Werk vorstellen.

2014-04-07

Andersons Zukunftssprache ist für mich gefühlt einfacher zu lesen als jene in David Mitchells „Cloud Atlas„. Die Lektüre letzteren Buches kann ich all jenen, die Freude an Facetten der englischen Sprache haben übrigens sehr ans Herz legen ;).

Zu „Feed“ und der Sprache, dem Gesellschaftsbild, der Kritik, die das Buch in sich trägt. Der Querverweis zu H.G.Wells großartigem Werk „The Time Machine„, für mich ist es ein weiteres wundervolles Werk, um darüber zu diskutieren, es in Beziehung zu setzen zu anderen Dystopien (Entdeckt habe ich es übringes bei der Semesterliteratur der Bonner Anglisten bei Witsch + Behrendt Bonn / @unibuchwitsch, scheinen also auch andere für die Diskussion zu nutzen ;) ).

Authentischerweise fließt im Text immer wieder mehr oder weniger verständlicher Konsumterror ein. Da zu lange Aufmerksamkeitsspannen ja heutzutage nicht mehr en vogue sind, bringen diese doch eine gewisse Erleichterung in den Lesefluss. ;) Hatten wir gerade noch am Sonntag beim leckeren Brunch: die Aufbereitung von Information à la LeFloid oder „Schrödinger lernt …“ – um noch anspruchsvollere Beispiele zu nennen – „Serien“ oder „Wissensformate“, deren Sinn nichts anderes ist, als die Konsumlust der Eingefangenen in die richtigen Bahnen zu leiten.

Die heutigen Ansätze großer Firmen, uns ausgewählt nur die Dinge zu zeigen, die „uns interessieren“. Passend dazu heute auf dem Medienpädagogik Blog erschienen: „Wie Facebook Informationen filtert„. Ich werde ebenso nicht müde auf Eli Parisers TED-Talk the „Filter Bubble“ hinzuweisen. Sehen, darüber reden und ab und zu nicht die einfache Methode wählen.

Diesbezüglich finde ich den Menschen als Spezies sehr faszinierend. Wie einfach wir einzufangen sind, egal ob gegen besseres Wissen, gegen den Willen…

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Gestern fiel mir auch nochmals der sehr hörenswerten Beitrag von Deutschlandradio Kultur breitbandHer mit neuen Dystopien!“ ein.

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Und als ich gerade so tippte und überlegte welche Dystopien ich schon so gelesen habe, fiel mir auf, dass jene, welche ich auf Papier gedruckt in Händen hielt, mehr in meinem Gedächntnis verankert sind als die eBook-Varianten. Dabei habe ich durchaus sehr gute rein digitale Bücher gelesen. Irgendwie scheinen sie flüchtiger zu sein. Vielleicht brauche ich auch etwas ständig Sichtbares für die besonders bewegenden Werke. Vllt. in der Art der Leserin?

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Von der einen Vernetzung werde ich mich jetzt direkt in eine andere Vernetzung stürzen. Auf meinem To-Read-Stapel liegt „Erfindet euch neu! – Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation“ von Michel Serres. Das Werk wurde von einer meiner Professorinnen mit sehr viel Leidenschaft empfohlen. Die Neugierde war geweckt und die Bibliothek meines Vertrauens hatte es sogar im Bestand.


23
Mrz 14

Symbolische Links in Windows 8.1 erstellen

Screenshot Windowsmenü DesktopSymbolische Links – was ich mit Windows XP noch über das seperat downzuloadende Windows Tool Junction lösen musste, geht inzwischen mit Bordmitteln in der Administrator-Konsole. Diese öffnet man z.B. über das Rechtsklickmenü (alternativ Win+X) des Windows-Buttons („Eingabeaufforderung (Administrator)“)1.

Anschließend bewegt man sich2 in den Ordner, in dem der symbolische Link erstellt werden soll. Das Programm heißt in neueren Windows-Versionen mklink. Wie immer erhält man eine Kurzanleitung, gibt man nur dieses Wörtchen in die Konsole ein und bestätigt mit Enter.

Screenshot Eingabeaufforderung

Ist ganz praktisch, da man die richtige Reihenfolge dann direkt in der Eingabeaufforderung vor der Nase hat und abtippen kann. Für den Fall eines symbolischen Links auf einen Ordner, wäre dies dann z.B.:

mklink /D NameDesLinks C:\Pfad\zum\Originalordner

Kleiner Tipp nebenbei: Bei der Eingabe des Pfads zur Originaldatei bzw. dem Originalordner kann man die Autovervollständigung durch Drücken von Tab nutzen. ;) Dann macht Windows auch automatisch die notwendigen Anführungszeichen um den Pfad, sollte dieser Leerzeichen enthalten.

Wofür braucht man eigentlich symbolische Links?

Hier wofür ich symbolische Links nutze: Anders als bei der klassischen Verknüpfung springt der Explorer beim Anklicken visuell nicht zum Ort des Originalordners. Es wirkt so, als würde sich der Ordner am Ort des symbolischen Links befinden. Dies führt u.a. dazu, dass sich der symbolische Ordnerlink wie ein richtiger Ordner im Navigationsbaum verhält.

2014-03-23 3

Anders als ein nur verknüpfter Ordner wird er angezeigt und ist aufklappbar.


  1. Leider gibt es keine Administrator-Variante zu Win+R, die man nicht selbst zusammen basteln müsste. []
  2. Keine Ahnung wie? Ein Grundlagen-Tutorial hat z.B. Mobile (Duncan) erstellt: „Command Prompt Basics 1 – Introduction (Files & Directories)“ []