15
Apr 17

Die Mastodons erobern das Internet *toot.toot*

Zugegeben, ein etwas reißerischer Titel für ein Phänomen, welches tendenziell eher in der Nische zu beobachten ist. Ich bin jedoch sehr gespannt wohin die Reise der Mastodons geht und würde mich freuen, wenn aus dem Mini-Hype viele solide Communities erwachsen würden, die jenseits von Wachstums-Zwang und Kommerzialisierung einen sich gut anfühlenden Ort für den Austausch zwischen Gleichgesinnten bilden [via].

Was ist Mastodon?

Kurz zusammengefasst: Mastodon ist eine unter der GNU AGPL-Lizenz veröffentlichte Software, welche jedem Interessierten erlaubt ein twitter-ähnliches Microblogging-Netzwerk aufzubauen: seine eigene Mastodon-Instanz, mit eigenen Regeln.

Abb.1 an Tweetdeck erinnernde Ansicht der verschiedenen Timelines von Mastodon

Auf einer Instanz können sich – sofern diese Funktion nicht abgeschaltet oder beschränkt wurde – Nutzer einen Account erstellen. Sodann können Einträge („Toots“) bis zu 500 Zeichen verfasst und andere Nutzer verfolgt werden. Neben Hashtags, Bildanhängen, Mentions und private Nachrichten (Abb.1, grüner Pfeil), der eigenen Timeline („Home„) sowie einer Timeline aller auf der eigenen Instanz erfolgten öffentlichen Toots („Local Timeline„) und Notifications (wie bei Twitter) gibt es von Hause aus eine Funktion („CW„, Abb.1, roter Pfeil), mit der sensibler oder aus anderen Gründen versteckt werden sollender Inhalt ausgeblendet werden kann. Auch Bilder kann man mit der Eigenschaft „NSFW“ (Not Safe for Work) versehen, so dass sie nicht direkt angezeigt und mit einer Warnung versehen werden. Natürlich gibt es Emoticons (Abb.1, blauer Pfeil) und die Möglichkeit, Toots zu retooten („Boost„) oder mit einem Stern zu versehen – kein Herz *yay*.

Der größte Unterschied von Mastodon zu den aktuellen Netwerken ist natürlich die Dezentralität. Es existieren viele einzelne Instanzen mit z.T. unterschiedlichen Regeln. Die einzelnen Instanzen stehen jedoch nicht komplett isoliert nebeneinander, sonder es ist möglich, Nutzer von anderen Instanzen zu folgen. Außerdem gibt es eine Federated Timeline. In dieser werden alle der eigenen Instanz bekannten öffentlichen Toots angezeigt. Was heißt bekannt? Deine Instanz kennt alle Toots von Mastronauten anderer Instanzen, die von Mastronauten Deiner Instanz verfolgt werden.

In meinem Augen bietet Mastodon eine große Chance Orte zu schaffen, die für einen Neunutzer auf den ersten Blick einen erkennbaren Nutzwert ausstrahlen. Ich erinnere mich an Debatten darüber, dass Twitter für den unbedarften Nutzer unverständlich und verwirrend erscheinen konnte. Dass zwar ein Account angelegt, ein paar Informationsquellen gefolgt wurde, die dann nach kurzer Zeit brach liegen gelassen wurden, da sich ein Mehrwert nicht erschlossen hatte.

Bei einem Blick auf die inzwischen veraltete Mastodon-Instanz-Liste auf GitHub fiel mir z.b. ins Auge, dass für die Furry-Community überproportional viele Instanzen existierten. Bei der aktuellen Liste gibt es leider keine Beschreibung mehr auf der Übersichtszeite – es kitzelt mich ja ein bisschen in den Fingern dies auszuwerten.

Natürlich gibt es auch kritische Stimmen, wie jene von John Henry, welcher Mastodon in seinem lesenswerten Beitrag als Totgeburt bewertet. Diese Bewertung ist selbstverständlich aus einer bestimmten Perspektive erfolgt. Die Kritikpunkte rund um die Macht des Instanzbetreibers, dass Instanzen andere Instanzen blockieren können und dass das was man in der Federated Timeline sieht sehr stark vom Betreiber der eigenen Instanz abhängt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Ich wittere hier eine Chance für die Entwicklung eines guten Miteinanders. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, dass bei den bestehenden Netzwerken der Zug für eine Bottom-Up-Entwicklung abgefahren ist. Und damit bleibt wahrscheinlich nur Überwachung und Zensur :-/. Sich basierend auf gemeinsamen Interessen entwickelnde Instanzen haben es da viel leichter einen gemeinsamen Konsenz zu finden. Verklärt utopistisch gesprochen könnte es leichter fallen, diesen gemeinsamen Konsenz tranparent zu kommunizieren und die eigene Instanz durch Microfunding (z.B. via Patreon: Gargron: mastrodon developer & mastodon.social, Valentin Ouvrard: mastodon.cloud) zu tragen. Dass diese Vorstellung eher naiv ist, ist mir bewusst. Hier möchte ich die Hoffnung einfach nicht aufgeben ;) und mir sind Foren-Communities (auch größere) bekannt, die von wertschätzendem Miteinander geprägt sind.

Also, go for it! Übrigens, es gibt bereits eine Bonner Instanz: bonn.social

 

 

 


08
Sep 13

Social Media, Marketing… abschweifende Gedanken

Zum Einschlafen sollte ich wohl keine interessanten Podcast-Episoden hören, sonst geht es mir wie gestern. Die Zeit schreitet voran und in meinem Hirn bilden sich neue Verknüpfungen, Ideen und Bedürfnisse. An sich ist das ja nichts Schlechtes. Im Gegenteil, sonst würde ich wohl jetzt nicht hier sitzen und eifrig in den Editor tippen.

Auslöser war der DRadio Wissen Online Talk „Die große Langeweile“, in dem Julius van de Laar, Christian Marx und Adrian Rosenthal mit Daniel Fiene (@fiene) und Herr Pähler (@herrpaehler) über den mehr oder weniger stattfindenden Bundestagswahlkampf diskutierten. Eigentlich ging es in dem Gespräch mehr um Social Media und wie die Werkzeuge Twitter, Facebook, Blog und Co. eingesetzt werden könn(t)en.

Hellhörig wurde ich bei den Gedanken von Christian Marx zum Thema Nutzung der Tools zur Kommunikation (~13:37). Er beschriebt unter anderem das Phänomen, dass für Werbezwecke ein Blog oder Twitter-/Facebook-Account angelegt wird, der nach einer bestimmten Zeit dann jedoch brach liegt. Und dazu fielen Worte, die ich sicherlich noch gut gebrauchen werden kann.

Eines der Ziele seiner Organisation politik-digital.de ist es, das Internet zur nachhaltigen Kommunikation zu nutzen. Und das heißt u.a., Twitter, Facebook, Blog und Co ist kein Marketing-Tool, sondern sollte ein Baustein in einer breiten Kommunikationskampagne sein.

Von da aus flogen dann die Gedanken. Tief im Hinterkopf erinnerte ich mich (leider nur sehr vage) an einen Artikel/ einen Podcast/ ein Gespräch (?)1 in dem es darum ging, das Social Media (angewandt in einer Firma) eine bestimmte Kultur voraussetzt und auf der anderen Seite die Kultur auch verändert, wenn man es tatsächlich als erfolgreich funktionierendes Kommunikationsmittel einsetzen möchte. Oder eher: das volle Potential des Werkzeuges nutzen möchte.

Klar, man kann es auch als einfachen Multiplikationskanal sehen – „Noch mehr Audience für das, was ich senden möchte. *händereib*“ Wo ich wieder bei der Langeweile wäre (Der politische Betrieb eignet sich diesbezüglich wunderbar als Anschauungsobjekt, z.B. in der Diskussionsrunde „Überzeugt uns! – Der Politiker-Check„) und von dort ganz schnell zu einer Diskussion zum Thema Kultur, Erwartungen, Kommunikation abdriften könnte.

Ist das ein Teil des digitalen Grabens? Ist das ein Ding der Generationen – der Sozialisierung? Wenn ich diese Werkzeuge benutze, möchte ich meinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen und ihn nicht für dumm verkaufen. Es ist eine tolle Möglichkeit Wissen, Ideen oder Gedanken auszutauschen.

Die Neuronen flimmern weiter und passend zum Thema las ich @AnsgarSkodaBericht vom 4. Social Media Kongress in Köln, bei dem am 28. und 29. August bekanntere Marken jenseits der „Was mit Journalismus/Internet“-Branche ihre Gedanken und Strategien zum Thema vorstellten. Solchen Veranstaltungen stehe ich eher reserviert gegenüber, doch dort einmal Mäuschen spielen dürfen, um eine Idee zu bekommen, wie weit die Ökonomen,  Marketingleute, Wirtschaftspsychologen und anderen Spezialisten das Spiel schon für sich erschlossen haben, ist nicht uninteressant.

Und dann lande ich gedanklich in der Sackgasse Kommerzialisierung. Und fürchte mich irrationalerweise vor einer Gesellschaft, wie sie in Idiocracy beschrieben wird – wo ich doch wohl eher in einer Schönen neuen Welt lebe.

 


  1. da merke ich mal wieder wie abhänig ich doch vom Google Reader und seiner Suchfunktion war :( []

13
Apr 13

Der BarCamps Spannende Timeline

Heute ist mal wieder einer der Tage, an denen meine Twitter-Timeline für mich mal wieder besonders inspirierend daher kommt. Das könnte eventuell daran liegen, dass dieses Wochenende sowohl das EduCamp 2013 in Hamburg als auch das BibCamp 2013 in Nürnberg stattfand und einige der von mir verfolgten Twitterer daran teilnahmen und/oder fleißig darüber berichteten, oder Berichte darüber weiterleiteten.

Das übliche Problem, das sich in solchen Momenten einstellt: Wann soll ich das bloß alles Lesen ^-^“. Oder wenn ich Markus Trapp zitieren darf:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/textundblog/statuses/321650012947890177″]

Trotz allem, eine kurze Empfehlung an Bibliotheks- & (Weiter)Bildungsinteressierte mal einen Blick auf die mit #echh13  und #bib6 getaggten Dinge der letzten zwei Tage zu werfen ;). Es lebe die Serendipität.