Netzgeschaedigt?

Ein kleiner Rückblick auf meine Beziehung zum Internet und ein kleiner Einblick, wieso dieser Blog bis zum 6. November 2009 Weblog Netzgeschaedigt hieß.

Ich bin seit September 1999 online. Irgendwann habe ich meinen Cousin gefragt, ob ich denn theoretisch mit einem Modem, dass ich ihm unter die Nase hielt, ins Netz könne, wollte mich nur informieren. Eine halbe Stunde später hatte ich einen eigenen Internetzugang, eine eigene Emailadresse und die Freiheit mich im Netz bewegen zu können, wie ich wollte.

Natürlich war ich als erstes neugierig auf’s chatten, habe mich dann auch in Chat’s gestürzt und die ersten Internet-Kontakte geknüpft. Am Anfang noch die Kosten bedenkend habe ich ewig lange Emails geschrieben, später geriet ich mehr und mehr in den Sog des „meine Freunde sind online“ und ich muss unbedingt im Chat sein.

Das war so gegen Anfang 2000. Zum Jahrtausendwechsel machte unser Stammchat allerdings schlapp. So kam ich zu ICQ. Gleichzeitig wollte ich dann auch unbedingt eine Homepage haben und machte erste Versuche mit PowerPoint. Ja, ihr habt richtig gelesen, und ja, ich schäme mich. Sie war auch so schlimm, wie es sich anhört. Einzig der Sünde „Wackelgifs“ habe ich mich nicht hingegeben.

So gegen Mai 2000 bekam ich bei meiner Schwester das HTML-Lexikon von Marco Abrar in die Hände. Eine ziemlich einfache Einführung, die ich mir dann natürlich zu Gemüte führte. Nach einigem Ausprobieren war die Chaospage geboren. Damit begann meine „Homepagekarriere“ bzw. -Sucht. Mit dem Bestreben die Seite immer „besser“ zu machen, immer mehr Besucher zu bekommen, kam auch Gästebuchhopping und damit die Idee eines Portals für private Homepages: die crazylounge. Das Baby, dass den größten Anteil meiner Homepagebastel- und Internetzeit verbauchte. Eine ganze Menge anderer kleiner Seiten kamen und gingen, doch die Crazylounge blieb.

Gleichzeitig begann meine Forensucht. Mit dem Homepagebasteln kamen Fragen und damit der Weg in Foren. Die Zeit, die ich Foren verbrachte stieg immer weiter und irgendwann war ich fast daueronline, ständig mit der Maus über dem Refresh-Button, in der Hoffnung auf die kleinste Frage, die zu beantworten ich in der Lage wäre, zu stoßen. Allein die Onlinekosten boten dem Einhalt. So trennte ich mich dann schweren Herzens von meinem Account bei piranho und setzte das youngmiss-forum auf die „Schwarze Liste“. Bis Sommer 2001 hatte ich meine Onlinetätigkeit dann fast „nur noch“ auf die Crazylounge und meine Homepage beschränkt. Icq war inzwischen nur noch ein Kommunikationsmittel für den Kontakt zu meinen Realfreunde geworden.

Nach meinem Abi, Sommer 2001, verbrachte ich dann wieder mehr Zeit am Rechner. Vor allem das Erstellen einer überraschungsseite für eine Freundin wurde zu einer meiner Hauptbeschäftigungen.

Herbst 2001 zog ich dann für mein Physikstudium nach Bonn und blieb dort für einen Monat ohne Internetzugang und Telefon bzw. später dann ohne Rechner. Eine Schockentwöhnungsphase in der ich mehr als einmal dem Internet nachgetrauerte. Auch die Crazylounge gab ich zu jenem Zeitpunkt ab.

Februar 2002 bekam ich dann einen Netzwerkanschluss an das Uninetzwerk und damit die unbeschränkte Möglichkeit zu surfen. Zu dieser Zeit war ich quasi daueronline. Glücklicherweise noch ohne Foren und ohne einen großen Nutzen in dem zu erkennen, was mir das Netz bot. Vielleicht hatte ich aber auch überhaupt keine Zeit, mich damit auseinander zu setzen. Irgendwie kann ich mich an den Zeitbereich auch nicht mehr so gut erinnern.

Ende Sommer 2002 begann ich dann wieder mit den Foren, mit dem Chatten via ICQ und dem Bauen von Homepages. Jetzt jedoch ganz anders als früher. Diesmal war es die beabsichtigte Flucht, aber es wirkte nicht mehr. Damals fühlte ich mich im Netz genauso alleine und schlecht wie in der Realität. Ich begann nun, mich mit kritzeln abzulenken.

Im Frühling 2003 war ich dann weniger online ^.~ was wohl daran lag, dass mein liebster online-Gesprächsparter die Zeit mit mir lieber offline verbrachte *lächel* und verbringt.

Leider hielt mich das nicht davon ab, ab Sommer 2003 wieder mehr online zu gehen. Mit erneuten Uni-Rückschlägen kamen „Fluchtversuche“ und es entstand das Weblog als erneuter „kreativer Zeitvertreib“. Als weiterer Versuch etwas Gutes zu schaffen, mir zu beweisen, dass ich nicht ganz so schlecht war, wie ich mir vorkam, ein erneutes Sprachrohr, ein erneuter Hilfeschrei – was auch immer. Ende 2003, in irgendeiner Tiefphase, nachdem mir das Weblog nichts brachte, löschte ich es vollständig, nur um es 2004 als normales Weblog, das „nur“ Links und keine persönlichen Dinge enthalten sollte, wieder zum Leben zu erwecken.

Seit Mai 2004 wohne ich nun in einer kleinen Wohnung und habe nur noch mein kleines Modem zur Verfügung. Damit stehe ich wieder ganz am Anfang – oder doch nicht? Wer weiß das schon…

Update

Etwa zwei Jahre sind seit meinem Einzug in dieser kleinen Wohnung vergangen. Seit etwa einer Woche habe ich DSL. Meine Leidenschaft für’s Schreiben, speziell Bloggen, habe ich besonders während des letzten Jahres sehr gepflegt. Ich weiß gar nicht wie viele Blogs kamen und nach einer Weile wieder gingen. Einen Teil dieser Blogs habe ich im weblog.netzgeschaedigt integriert, die Mehrzahl liegt jedoch nur noch als Sicherung irgendwo auf meiner Festplatte.

Update (2008-10-03)

Inzwischen ist es Oktober 2008. In den letzten beiden Jahren hatte ich die Möglichkeit, mein Hobby „zum Beruf“ zu machen, in dem ich u.A. die Internetpräsenz des Physikalischen Instituts der Universität Bonn betreute. Auch privat ist das Internet ein guter Freund geblieben, Informations- und Inspirationsquelle. Nur zu gerne nutze ich die Bildungsangebote, Vodcasts, Podcasts, Artikel, Tutorials und Webanwendungen um mich weiterzubilden und -zuentwickeln, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben und neue Kontakte zu erschließen.