22
Jan 22

Kommentierte Zeitscheiben

In den letzten Wochen habe ich etwas Zeit mit Büchern verbracht, die schon etwas länger darauf warteten, von mir gelesen zu werden. Bei Dreien handelte es sich um in der näheren Vergangenheit (2017-2019) erschienene Sachbücher.

Jung genug, als dass sie noch nicht komplett veraltet gewesen wären – Teile davon durchaus „zeitlos“, sofern die Wissenschaft keine neuen, anderslautenden Erkenntnisse gewinnt – und doch hat sich die Welt seitdem weitergedreht.

Und so habe ich mich bei der Lektüre mehrfach dabei erwischt, mir zu wünschen, dass Autor:innen eines bestimmten Genres so etwas wie „Reaktion-Videos“ (oder in welchem Format auch immer) zu den jeweiligen Büchern machen würden. Mit Fragestellungen wie z.B.:

  • Wie hat sich die Welt verändert und wie ändert sich dadurch die Perspektive und etwaige Einschätzungen?
  • Welches Wissen hat die Welt dazugewonnen oder verwerfen müssen?
  • Wie hat die persönliche Weiterentwicklung, neue Erfahrungen die Wahrnehmung auf das Thema verändert?

Insbesondere bei Themen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt gehypte wurden – wie z.B. Transhumanismus – hätte dies einen bestimmten Reiz. Die Sau wurde durchs Dorf getrieben – aber was ist eigentlich Jahre danach aus ihr geworden? Wie hat sich der Hype-Cycle entwickelt?

Und gerade nachdem sich unsere Welt so gravierend geändert hat und weitere ändern wird.

Am nächsten kommt da vermutlich Austausch auf Social Media Plattformen dran. Wenn es nicht im Rauschen untergeht.

Stelle mir jetzt einfach die Lieblingssachbuchautorin vor, wie sie in einem Twitch-Stream oder bei Tiktok ihre vorletzte Publikation auseinandernimmt. Könnte man auch ein Podcast-Format daraus machen.

Gibt es bestimmt schon irgendwo, irgendwas.


23
Jun 20

Warum Schreiben?

… wenn ich nichts zu Schreiben habe?

„Posts don’t need to be long-form, deep, meaningful, or even that well written. If there are spelling and grammar mistakes, or even if there’s no real point to the post, so what? What’s important is that you’re writing about the things you want to write about.

Kev Quirk https://100daystooffload.com/

Kritisch war ich vom ersten Beitrag an, aber offensichtlich war mir da der eigentliche Grund, warum diese Challenge für mich nicht sinnvoll ist, noch nicht so klar: Wenn ich das Bedürfnis habe, etwas zu schreiben, dann schreibe ich es. Und wenn das Bedürfnis nicht da ist, ist es für mich nicht sinnvoll es trotzdem zu erzwingen.

Meine Phasen des großen Mitteilungsbedürfnisses an „die Welt“ scheinen vorbei zu sein. Ich schätze den privaten Austausch, optimalerweise Angesicht zu Angesicht oder eben aktuell über Telefon, Videocalls oder auch in inspirierenden E-Mail-Dialogen1.

Sicherlich, es gibt viele Vorteile, wenn eine Diskussion öffentlich und (mehr oder weniger) sichtbar geführt wird. Aber, wie viele von denen sind auch wirklich unnötig, beschämend oder noch schlimmer? Da erspare ich uns doch lieber ein paar ^_~.

Und ansonsten, wenn doch mal etwas in den Fingern kitzelt, oder ich Dinge für später und zufällig hier Vorbeisurfende festhalten möchte, dann warten mein Blog hier geduldig auf mich.

Damit endet die #100DaysToOffload Challenge für mich. 3 / 100 !

  1. über privat ließe sich hier jetzt vermutlich vorzüglich streiten []

20
Jun 20

Ein kleiner Beitrag

Die „Zerstörung der Presse“ des Künstlers1 Rezo hat mir aus der Seele gesprochen. Die Schlagzeilen und das Gebahren mancher reichweitenstarker, anerkannter Medien macht mich regelmäßig wütend und wenn ich daran denke, wie viele Menschen diese Medien konsumieren, möchte ich heulen.

Sprache ist mächtig, Bilder sind mächtig – wenn beides für den maximalen Gewinn eingesetzt wird, führt dies viel zu häufig zu menschenverachtendem Müll2 . Das wird nicht nur von manchen Medien und Meinungsmacher:innen oder Verschwörungserzähler:innen zelibriert sondern natürlich auch von Terroristen.

Wie gehe ich als kleine Rezipientin damit um, die sich ohnmächtig ob dieses Systems fühlt?

  • Unterstütze Medien: Finanzielle Sicherheit reduziert die Abhängigkeit davon, reißerische, gefällige Stücke zu schreiben. Abonnement, Mitgliedsbeitrag, Patreon & Co oder eine Spende als Dauerauftrag. Jeder noch so kleine Beitrag hilft!
  • Bewusster Medienkonsum: Auch ironische Aufmerksamkeit – „Ich lese das nur, um mich zu amüsieren!“ – ist Aufmerksamkeit. Es gibt Klicks, Geld und bestätigt die Macher:innen damit in ihrem Vorgehen. Wenn ich diese Medien nicht unterstützen möchte, bekommen sie von mir keine Aufmerksamkeit. Wähle die Medienquellen bedacht und hinterfrage, was der Medienkonsum mit dir macht und ob es das ist, was du möchest3.
  • Bewusster Umgang mit Medienprodukten: Nicht einfach einen Artikel teilen oder kommentieren, weil die Überschrift und der Teaser in den sozialen Medien triggert, empört oder anderweitig die Gefühl kitzelt. An dieser Stelle eine Leseempfehlung für die großartigen Artikel von Samira El Ouassil : Not sharing is also caring (Übermedien, 02.06.2020) und Friedemann Karig : Terrorbilder im Netz: Teile und herrsche (Kratureporter, 10.02.2015).
  • Slow-Media: Das Gehirn sehnt sich nach den neuesten Informationen4. Zu viel – und vllt. sogar falsche Information – muss man einordnen und aushalten können. Daher drücke ab und an mal auf Pause, warte auf die etwas späteren und besser recherchierten Artikel.

Letztendlich läuft es auf das Thema Medien- und Informationskompetenz hinaus. Da die Medienlandschaft sich ständig weiterentwickelt, die Gier nach Aufmerksamkeit immer extremere Ausprägungen hervorzubringen scheint, muss ich auch meinen Umgang mit den Medien immer wieder hinterfragen um die Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Und jetzt muss ich mal wieder an Idiocracy denken…

2/100 ?

  1. siehe zwei sehr interessante Interviews von Rezo durch Markus Beckedahl []
  2. Eine Leseempfehlung an dieser Stelle für Tobias Rose-Stockwell: So machen Medien mit deiner Angst und deiner Wut Profit (Krautreporter, 27.11.2017). []
  3. Macht es das Leben wirklich besser, ständig in einer Empörungsschleife zu hängen? Damit meine ich nicht, dass man sich nie kritisch mit Dingen auseinandersetzen sollte… das andere Extrem möchte ich ebenfalls nicht []
  4. Leseempfehlung: Adam Gazzaley, Larry D. Rosen : Das überforderte Gehirn. Mit Steinzeitwerkzeug in der Hightech-Welt. Redline Verlag, 2017. 978-3-86881-673-0 []

16
Jun 20

Schreiben um des Schreibens Willen

Gestern las ich in Doug Belshaws Blog über die Existenz der #100DaysToOffload Challenge: Innerhalb des nächsten Jahres 100 Einträge in einem eigenen Blog schreiben. Die Idee dahinter: „Einfach Schreiben“, ohne weitere Bedingungen oder Ansprüche – außer, dass es an einem eigenen Ort publiziert werden muss, nicht etwa in einem Firmenblog.

Eine der Ideen dahinter ist es, gemeinsam mit anderen Motivation für das Niederschreiben von Gedanken oder Dingen zu finden, sich gegenseitig zu unterstützen und auch ein bisschen zu klappern. Gemeinschaft kann helfen und inspirieren. Verfertigen der Gedanken beim Schreiben war und ist für mich immer eine wichtige Sache gewesen.

Während ich es auf der einen Seite gut und wichtig finde, überspitzt eine kritische Stimme in meinem Kopf: Noch mehr Inhalt, den niemand liest. Muss es dann veröffentlicht werden? Das gebrannte Kind schreit: Bloß nicht! All die potentiellen Gefahren, denen man sich aussetzt, wenn man versehentlich menschlich ist und für einen Moment nicht bedacht und wohlgewählte Worte findet. Der Impostor mokiert, dass dadurch die eigene Inkompetenz für alle sichtbar präsentiert wird.

„Einfach Schreiben“ ist leichter gesagt als getan. Es braucht Übung. Und Übung macht gemeinsam mehr Spaß, können wir uns doch unterstützen und gegenseitig anfeuern.

1/100 ?


12
Okt 19

Pflege Deine Informationsquellen

Seit Kurzem habe ich die Möglichkeit mich beim Sporteln mit Audioinhalten meiner Wahl beschallen zu lassen. Die perfekte Gelegenheit, mich endlich auch mal Podcasts mit längeren Episoden (>45 Min.) zu widmen, wie z.B. Eine Stunde was mit Medien oder Hörsaal (beide Deutschlandfunk Nova).

In einer der letzten Episoden von Eine Stunde was mit Medien, „Informationsflut: So klappt Medienhygiene“ war die Neurowissenschaftlerin Maren Urner zu Gast. Die Mitbegründerin von „Perspective Daily“ hat vor ein paar Monaten ein Buch1 zum Thema veröffentlicht.

Im Gespräch selbst – was wahrscheinlich am Thema des Sendungsformats liegt – ging es dann aber doch recht lange um Perspective Daily und dessen journalistischem Ansatz, das Finanzierungsmodel und die Medienlandschaft. In meiner Erinnerung bekam das Thema Medienhygiene weniger Raum als ich mir dies gewünscht hätte2.

Nichtsdestotrotz führte das Interview dazu, dass ich heute beim Entdecken einer neuen Informationsquelle für meinen Newsfluss innegehalten habe: Ist es nicht mal wieder an der Zeit die abonnierten Quellen durchzugehen und all das rauszuschmeißen, über das ich sowieso nur drüber hinweg scrolle?!

Der rigorosere Ansatz wäre, alle Feeds zu löschen und dann jene zu reabonnieren, die mir als Informationsquellen im Sinn geblieben sind. Da es mir jedoch kaum Probleme bereitet, auch größere Mengen an neuen Beiträgen ungelesen als gelesen zu markieren3, werde ich jedoch den achtsamen Ansatz verfolgen, in der kommenden Zeit bewusst durch die Beiträge zu scrollen:

  • Gibt es Quellen, deren Beiträge ich mir nie genauer ansehe?
  • Gibt es Quellen, deren Publikationsweise mir bereits sauer aufgestoßen sind?
  • Gibt es Quellen, die ich aus dem privaten in den professionelen Newsfluss verschieben sollte?
  • Gibt es Quellen, die ich nur noch aus Gewohnheit abonniert habe?
  • Kann ich Quellen fallen lassen, deren spannende Beiträge häufig über kuratierenden „Angebote“ wie Researchbuzz: Firehose oder Hacker News mitbekomme? Insbesondere, wenn die Quellen viele Beiträge absondern und dabei häufig durch Clickbait-Titel auffallen.
  • Gibt es Quellen, welche ich durch vertrauenswürdigere Quellen ersetzten sollte?
  • Für welche Quellen sollte ich den Umstieg von automatischem Abruf der neuen Beiträge auf „Diese Webseite besuche ich einmal im Monat und schaue, ob es spannende Neugikeiten gibt“ erwägen?4

Die Punkte lassen sich selbstverständlich auch auf andere „Informationsplattformen“ wie z.B. Twitter übertragen. Abgewandelt auf installierte Apps/Software … Eine größere Baustelle sind die To-Read-Liste(n).

Wenn mehr zum Thema lesen möchte, darf gerne beim Krautreporter-Artikel „Wie du informiert bleiben kannst, ohne dich in der Nachrichtenflut zu verlieren“ vorbeischauen((Ohne Mitgliedschaft nur über diesen Link möglich, da ansonsten hinter einer Paywall)).

  1. Urner, Maren : Schluss mit dem täglichen Weltuntergang. Wie wir uns gegen die digitale Vermüllung unserer Gehirne wehren. Droemer, 2019. 978-3-426-27776-8 []
  2. Da ich jedoch nicht meine volle Aufmerksamkeit auf den Podcast gerichtet habe, kann meine subjektive Erinnerung sehr daneben liegen []
  3. *yay* FOMO besiegt! []
  4. Mein Kopf meint sich zu erinnern, dass es sogar mal Browser-Erweiterungen gab, die terminiertes Öffnen von Webseiten ermöglichten. Vllt. Time Capsule? []